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40 Jahre KJG "Vorabendgottesdienst zum Pfarrfest"
Vorabendgottesdienst zum Pfarrfest gestaltet von ehemaligen KJG Mitglieder / innen

 
Klaus Roos in seiner Einleitung.:
 
… „40 Jahre – und kein bisschen leise“ haben wir diesen Gottesdienst überschrieben. Die Haare können grau werden, aber die Leidenschaft für die „Sache Gottes“, der Traum von einer neuen Welt soll lebendig bleiben.
Die KJG damals war unbequem, hat provoziert, hat zum Aufbruch gedrängt. Heute soll Gelegenheit sein, Bilanz zu ziehen und sich von neuem anstecken zu lassen von Gottes Geist.

Wie war es damals 1970

1970; Marktheidenfeld ist damals noch eine Kreisstadt mit 8.300 Einwohnern. Die Bahnlinie zwischen Lohr und Wertheim ist noch in Betrieb, und gerade hat man das Balthasar-Neumann-Gymnasium gegründet. Willy Brandt ist Bundeskanzler und erregt Aufsehen mit seinem Kniefall in Warschau.

1970 ist das Jahr, in dem sich die Beatles trennten, das Jahr, in dem Jimmi Hendrix starb. Es gibt noch keine Laptops und keine Handys und in den meisten Haushalten stehen noch Schwarz-Weiß-Fernseher. Die Haare der jungen Männer sind lang, die Röcke der jungen Frauen kurz. In den Kinos laufen die ersten Aufklärungsfilme von Oswald Kolle.

1970 tobt noch der Vietnam-Krieg. US-Soldaten marschieren in Kambodscha ein, um die Nachschublinie zu unterbrechen. Der Ho Chi Min – Pfad wird mit 100.000 Tonnen Sprengstoff bombardiert. In Deutschland gründen Ulrike Meinhof und Andreas Baader die Terrorgruppe Rote Armee Fraktion, die Anschläge und Überfälle verübt. Ein Zyklon wütet in Bangladesh und tötet über 300.000 Menschen.

1970 wird die Katholische Kirche von Papst Paul VI. geleitet. Es herrscht Aufbruchsstimmung seit dem Konzil, das gerade 5 Jahre zurückliegt. Die Liturgie wird inzwischen nicht mehr lateinisch, sondern in deutscher Sprache gehalten. In den Kirchen hat man Volksaltäre aufgestellt und die Priester zelebrieren mit dem Blick zum Volk. 1968 hatte man die ersten Pfarrgemeinderäte eingeführt, der Anfang einer Mitbestimmung durch Laien. Die Bischöfe berufen eine große Gemeinsame Synode aller Bistümer ein, um das Konzil in die deutschen Verhältnisse umzusetzen.

1970 ist Geistlicher Rat Franz Hegmann Pfarrer und Dekan in Marktheidenfeld. Während er noch für Zucht und Ordnung eintritt, hoffen viele Katholiken auf Reformen. Dass Katholiken und Protestanten gemeinsam zur Kommunion gehen dürfen, wünscht man sich, dass der Weg zum Priesteramt auch für Frauen und für Verheiratete geöffnet wird, dass ein frischer Wind durch die Kirche geht und moralische Enge und verstaubte Ansichten hinwegfegt.

1970 gibt es in Marktheidenfeld 7 KJG-Gruppen. Dazu noch eine Jungkolpinggruppe, eine Bastelgruppe und eine Gruppe der offenen Jugendarbeit. Über 100 Kinder und Jugendliche sind hier organisiert, die Ministranten noch gar nicht mitgerechnet. Erste Jugendgottesdienste mit modernen Liedern finden statt und im Pfarrjugendheim werden Disc-Parties für junge Leute veranstaltet. Aufbruchstimmung herrscht in der Gesellschaft und in der Kirche.


Was ist aus der Aufbruchsstimmung, aus den Träumen geworden? Wie fällt die Bilanz aus nach 40 Jahren? Ist die Welt menschlicher, die Kirche christlicher geworden?

Es sieht nicht so aus. Dem Vietnamkrieg folgten neue Kriege: in Bangladesh, Indien, Afrika. Ob Jom-Kippur-Krieg, Golfkrieg, Völkermord in Ruanda – die Welt kam dem Frieden um keinen Schritt näher. Selbst in Europa fielen Bomben in den Jugoslawienkriegen und wurden entsetzliche Gräueltaten begangen. Bis heute kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan. Fast 20 Millionen Menschen wurden in den letzten 40 Jahren im Krieg getötet.
Der Traum von einer friedlichen Welt ist nur ein Traum geblieben.

Auch die Gerechtigkeit war uns damals ein Anliegen: Die Welt, so hofften wir, werde zur Einen Welt zusammenwachsen. Wir sammelten für Hilfsprojekte, setzten uns ein für fairen Handel, verkauften Reistütchen an der Kirchentüre als Zeichen der Solidarität mit denen, die von einer Handvoll Reis leben müssen. Am Erntedankfest kippten wir einen Berg mit Wohlstandsmüll auf den Kirchplatz und protestierten gegen den Hunger in der Welt. Vielleicht hat sich manches gebessert seitdem. Trotzdem: Die 2% Superreichen der Welt besitzen mehr als die Hälfte des Weltvermögens. Die arme Hälfte der Weltbevölkerung verfügt dagegen gerade mal über ein Prozent. !0% Reiche teilen unter sich 85% des Vermögens in der Welt. Ist das gerecht? Ist es gerecht, dass täglich bis zu 100.000 Menschen an Hunger sterben, während in Deutschland die Steuerzahler Milliarden für kriminelle Bankgeschäfte aufbringen müssen?
Der Traum von einer gerechten Welt ist nur ein Traum geblieben.

In den 70er Jahren traten Umweltfragen immer stärker ins Bewusstsein. Die Anti-Atomkraft-Bewegung kam in Gang, Greenpeace und die Partei der Grünen wurden gegründet. Mit der Ölkrise entdeckte man die Grenzen des Wachstums. Und heute? Weiter werden hemmungslos die Rohstoffe geplündert, die Meere vergiftet, die Ozonschichten zerstört. In jeder Woche sterben Hunderte von Tier- und Pflanzenarten aus. Der Klimawandel – jahrelang als Panikmache von Ökospinnern verspottet – ist heute in aller Munde. Haben wir geschlafen? Leben wir weiter auf Kosten der Jugend von morgen? Das hatten wir uns alles ganz anders vorgestellt!

Und in der Kirche? Die Aufbruchsstimmung von damals ist verpufft. Längst hat Rom auf die Bremse getreten. Die Diskussionen der Gemeinsamen Synode sind im Sande verlaufen. Frauenfrage? Abgeschmettert! Zölibat? Nichts bewegt sich! Sexualmoral? Für die meisten Menschen lebensfremd und verstaubt! Weiterhin sind wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten ausgeschlossen, dürfen Evangelische nicht zur Kommunion gehen, werden Lehrverbote erlassen und Maulkörbe verteilt. War das die Kirche, in der wir Katholische junge Gemeinde sein wollten? Wir wollten mehr und nicht weniger Mitsprache von Laien, wollten Bewegung statt Stillstand, Begeisterung statt Ängstlichkeit. Wir hatten einen Traum.

Was also ist aus unseren Träumen geworden? Wie sieht sie aus, die Bilanz nach 40 Jahren?

Als erstes: Wir stehen immer noch hier: hier in der Kirche, und feiern Gottesdienst. Älter, grauer, skeptischer, aber: 40 Jahre – und kein bisschen leise. Noch sind uns die Träume nicht vergangen, noch sind die Lieder nicht verstummt, noch ist die Sehnsucht nicht erloschen.


Als zweites: Wir stehen nicht allein hier. 40 Jahre lang hat es immer neue junge Menschen gegeben, die den Traum weitergeträumt haben, die versucht haben, Katholische junge Gemeinde zu leben. Bis heute haben junge Leute den Funken weiter gegeben.

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Als drittes: Nicht auf uns allein kommt es an. Nicht in unseren Händen liegt das Schicksal der Welt, das Schicksal der Kirche. „Einer hat uns angesteckt, mit der Flamme der Liebe“, heißt es in einem religiösen Lied. Wir sind nur die Kerze. Die Flamme ist er, der schon damals wie in Feuerzungen herabkam, der wie ein Sturm durch das Grüpplein der Enttäuschten fegte. Ihm dem Atem Gottes, dem Heiligen Geist, verdankt es die Kirche, dass sie nicht längst erstickt ist. Ihm, der Flamme der Liebe, verdanken wir es, dass wir immer noch brennen.

Seit 40 Jahren reichen wir in der KJG die Fackel des Glaubens weiter: von Generation zu Generation.
Wir wollen dies sichtbar machen mit einer Fackelstafette.
Alle ehemaligen KJG’ler stellten sich in einer Kette auf ; die Fackel wurde an der Osterkerze entzündet und weiter gereicht und dann mit der Gabenprozession vor den Altar gebracht.

 

Beim Hochgebet wurde der Toten gedacht welche in den letzten 40 Jahren verstorben sind:

Kaplan Engelbert Werb

Wolfgang Holter

Matthias Volk

Elisabeth Grammetbauer, geb. Zerhau

Stefan Volk

Heidi Väth

Christine Borst, geb. Schmitt

Sigrid Braunz, geb. Laqua

 

Text:
Klaus Roos , Bernhard Elsesser , Klaus Feder , Angelika Adam , Alexander Wolf

 

Am Ende verabschiedet Alexander Wolf 3 Mitglieder aus der Jugendband La Speranza welche den Gottesdienst  mit Liedern aus der Gründungszeit der KJG mitgestaltet  haben.

Elena Fischer (Hafenlohr) Gesang
Lena Fürchow (Marktheidenfeld) Querflöte
Laura Schmitt (Marktheidenfeld) Gitarre + Gesang

Die drei Damen haben die letzten 5 Jahre in der Jugendband La Speranza ca. 20 Jugendgottesdienste mitgestaltet,
bei vielen Musicals + Singsspiele die Hauptrollen übernommen und  einige Trauungen und Firmfeiern musikalisch umrahmt.
Nachdem alle ihr Abitur erfolgreich bestanden haben, werden sie studieren oder einer berufliche Ausbildung nachgehen...
Alexander Wolf bedankte sich mit einen Blumenstrauß und wünscht für die Zukunft alles Gute

Veröffentlicht: 19.07.2010 Erhard Wiesmann
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