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Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius  > Kirchen und Gebäude

St. Laurentius Marktheidenfeld

Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen Marktheideneld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld

 

 

 

 

 

 

 Durch die Herrngasse, eine der neun Maingassen, geht es hinauf zur katholischen St.-Laurentius-Kirche mit einer beeindruckenden Prunkfassade aus dem mittleren 18. Jahrhundert. An der St.-Laurentius-Kirche ist seit über 700 Jahren immer wieder gebaut worden. So lassen sich vier Bauabschnitte im romanischen, gotischen, barocken und neubarocken Stil unterscheiden. Die Stile der jeweiligen Zeit wurden dabei immer in das alte Bauwerk harmonisch eingebracht. Zu recht kann man die St. Laurentius-Kirche daher als Geschichtsbuch der Stadt bezeichnen.

Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld

 

 

 

 

 

 


,,D. 0. M. / Bischoff Julius auß Vatters Treuw, / Dotirt die Pfarr Baut die Kirchen Neuw, / Pflantzt ein die Alt Religion. / Deß Volgt Im sein Treuw Unterthan, / Er freudt sich deß und Wünscht darbey, / Daß Gott diß Wercks ein Schützer sey, / Darfür er Nur den danck begehrth, / Daß sein Vorsorg bleib Unverkehrt."

Die heute im Innern der Pfarrkirche St. Laurentius angebrachte und für den Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (18.3.1544 - 13.9.1617, Bischofsweihe 22.5.1575) typische Gedenktafel aus dem Jahr 1613 erinnert sowohl an die Wiedereinführung der katholischen Konfession als auch an den Neubau einer einschiffigen Pfarrkirche anstelle der alten im sogenannten Echter-Stil, einer Mischform von Spätgotik und Renaissance, mit dem von Ferne sichtbaren Wahrzeichen aller Echter-Kirchen, dem spitzen Turm.

Bis in das achte Jahrhundert reichen die Wurzeln Heidenfelds, wie Marktheidenfeld noch im 17.118. Jahrhundert hieß. Schon bald kam die Siedlung am Main in den Besitz des nahen Benediktinerklosters Holzkirchen, seit 775 zur Abtei Fulda gehörend. Als Patron Holzkirchens ist der Hl. Sixtus überliefert, Papst 257 / 258.

Den romanischen Vorgängerbau hatten schon die Holzkirchener Mönche errichtet. Unter der Herrschaft der Grafen von Wertheim ist in den 1520er Jahren in Heidenfeld die Lehre Martin Luthers verkündigt worden. Nach dem Rückfall Heidenfelds an das Hochstift Würzburg hat Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Gegenreformation durchgeführt und 1613/14 als sichtbares Zeichen dafür eine neue Kirche bauen lassen. Das Langhaus der alten romanischen Kirche wurde abgebrochen. Nur der Chorraum, das Untergeschoss des Turmes, blieb erhalten und dient seither als Sakristei. Die neue einschiffige Pfarrkirche wurde im sogenannten Echter-Stil errichtet, einer Mischform von Spätgotik und Renaissance, mit dem von Ferne sichtbaren Wahrzeichen aller Echter-Kirchen, dem spitzen Turm. Der spitze Turm ist 1805 nach einem Blitzschlag abgebrannt und durch den heutigen zwiebelförmigen Turm ersetzt worden.

Vom Vorgängerbau der Echterkirche, wohl aus spätromanischer Zeit, ist nur wenig bekannt: Das Untergeschoß des Turmes - heute Sakristei - diente als Chorraum der früheren Kirche, an der Nordseite des Turmes ist im Dachstuhl des heutigen Chores ein romanisches Doppelfenster sichtbar. Wahrscheinlich handelte es sich um eine im überschwemmungsfreien Bereich gelegene, ummauerte kleine Wehrkirche, die in Krisenzeiten Zuflucht bieten konnte. Mit der Vogtei über die Propstei Holzkirchen sowie über eigene Besitzungen erlangten seit Ende des 13. Jahrhunderts die Grafen von Wertheim entscheidenden Einfluß in Heidenfeld. Eine Urkunde von 1397 nennt erstmals das Patrozinium der Marktheidenfelder Kirche; zugleich wird Marktheidenfeld nicht mehr als "Villa" (Dorf), sondern als "oppidum", d. h. als Siedlung mit gewissen über das Dörfliche hinausgehenden Eigenschaften und Rechten bezeichnet. Obwohl Graf Georg II. von Wertheim sich schon 1522 der Lehre Martin Luthers angeschlossen hatte, setzte die Reformation in Marktheidenfeld erst zwischen 1527 und 1529 ein; von 1530 bis 1605 sind evangelische Geistliche nachweisbar. Das Aussterben der Grafen von Wertheim im Mannesstamm 1556, Streitigkeiten unter den Erben des Rechtsnachfolgers der Wertheimer Grafen seit 1599 sowie alte Rechtspositionen konnte der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zu Eingriffen in die Grafschaft Wertheim nutzen. Mit der Übernahme durch Würzburg 1612 war der katholische Glaube dann (mit kurzer Unterbrechung während des 3ojährigen Krieges) wieder für Jahrhunderte maßgeblich. Am 18. März 1613, dem Geburtstag des Fürstbischofs, wurde mit dem Bau des neuen Gotteshauses begonnen, am 8. September 1614 konnte der Würzburger Weihbischof Eucharius Sang den schlichten, aus rotem Sandstein gemauerten und vom heutigen Altartisch umgebenen Hochaltar zu Ehren des HI. Laurentius konsekrieren. Neben der eingangs zitierten Gedenktafel weisen der Chor und dort das Sakramentshäuschen (Nordseite) auf die Echter-Kirche hin. Der spitze Echter-Turm brannte am 17. April 1805 infolge Blitzschlags nieder, seit Juni 1805 ziert den Turm ein Dach, das weniger einer Zwiebel, stärker einer Birne ähnelt. 

Das Hochaltarbild zeigt das Martyrium des Kirchenpatrons St. Laurentius und ist von Georg Sebastian Urlaub aus Thüngersheim bei Würzburg 1737 gemalt worden. Die das Altarbild einschließenden überlebensgroßen Statuen des Petrus' und des Paulus' hat Jakob van der Auvera geschaffen, der sich als Bildhauer in Würzburg niedergelassen hatte und dessen Sohn Johann Wolfgang der bedeutendste Bildhauer der Würzburger Residenz gewesen ist. Der Kirchenpatron findet sich wieder als Statue am rechten vorderen Pfeiler sowie bereits über dem Hauptportal in der Obertorstraße. Laurentius wird hier typisch mit dem Rost in der Hand dargestellt. Der Legende nach ist nämlich der Diakon Laurentius im dritten Jahrhundert den Märtyrertod auf einem glühenden Rost gestorben. Der Kirchenpatron St. Laurentius gab auch dem größten Volksfest in Marktheidenfeld seinen Namen. Alljährlich um den Feiertag Maria Himmelfahrt (15. August) herum feiert Marktheidenfeld neun Tage lang mit Gästen aus Nah und Fern die Laurenzi-Messe.

An die Tradition der ab Mitte des 17. Jahrhunderts in Marktheidenfeld errichteten sieben Zünfte als nicht nur gewerblich-wirtschaftliche, sondern auch religiöse Vereinigungen erinnert die Statue des HI. Nikolaus, einer der Schutzherrn der 1649 gegründeten Fischer-, späteren Fischer- und Schifferzunft, am ersten Pfeiler links. Der HI. Sebastian am zweiten Pfeiler rechts lässt eine Beziehung herstellen zu der Vereinigung der Schützen in Marktheidenfeld, die bereits 1581 nachweisbar ist. Am zweiten Pfeiler links eine Plastik des HI. Michael, Schützer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zum Abschluss des Hauptschiffes Statuen der HI. Bonifatius, "Apostel der Deutschen", und Kilian, irrschottischer Missionar des ostfränkischen Gebiets um Würzburg im späten siebten Jahrhundert (das Glasfenster der westlichen Außenwand des linken Seitenschiffes zeigt Kilian bei seiner missionarischen Tätigkeit); am Übergang zum Chorraum zwei barocke Reliquienschreine. Infolge Platznot wurde das Kirchenschiff Mitte der l73Der Jahre nach Westen, d. h. zur Obertorstraße, verlängert und mit der barocken Schaufassade abgeschlossen.

Der Erweiterung des Gotteshauses folgte die Umgestaltung im Innern: 1737 erhielten der Würzburger Schreinermeister Johann Caspar Balling, der aus Holland stammende Würzburger Hofbildhauer Jakob van der Auvera sowie der schon erwähnte Maler Georg Sebastian Urlaub den Auftrag zur Anfertigung des Hochaltars. Vom 12. März 1737 datiert der Akkord zwischen dem Pfarrer und dem Schultheißen von Marktheidenfeld einerseits und Johann Caspar Balling andererseits "über Verfertigung aller Schreinerarbeit zu einem Hohe-Altar, samt Tabernacul", vom folgenden Tag der mit Jakob van der Auvera: ,1. Solle Herr Auvera verfertigen zwey Statuas 7 1/2 Fuß hoch, wobey Statua noch sollen benennt werden (Hl. Peter und Paul). 2. zwey sitzenden Engeln 5 Fuß groß, zwey fliegende Kindlein 3 Fuß groß. 3. Gott Vatter und Gott Sohn, jede Figur 6 Fuß. 4. den heiligen Geist und gantze Glory mit Engelsköpf, Gewölk und Strahlen von 8 bis 9 Fuß. 5. zwey Cordinen ober dessen zwei großen Statuen fünff Fuß lang und vier Fuß breith. 6. zwey knyende Engeln auff den Tabernacul von 3 Fuß, zwey Kindlein auff den Tabernacul einen Fuß neun Zoll, mehr einen Pelican auf den Tabernacul nach Proportion." Einige Wochen später, am 30. März 1737, wurde mit Georg Sebastian Urlaub der Kontrakt über die Anfertigung eines Altarbildes zu Ehren des Kirchenpatrons Laurentius geschlossen: ,,1. Sollte Herr Urlaub dieses Blatt von ungefähr 20 Fuß hoch und zehen breit von rechts gut Farben mit allem Fleiß kunstmäßig so verfertig, damit ein Dauer und Bestand darbey seye - Der heutige Tabernakel des Hochaltars ist ein Werk der Bildhauer Matthäus und Heinrich Schiestl, Würzburg, die auch die ,,bekrönende Dreifaltigkeitsgloria" wieder herstellten (Abschluss der Arbeiten 18.11.1904).

Seit etwa 1740 befindet sich die Orgel auf der bei der Kirchenerweiterung entstandenen Empore. Nach mündlicher Überlieferung soll sie aus einem Kloster stammen. Mit der Säkularisierung des Fürstbistums Würzburg 1802/03 fiel Marktheidenfeld an das Kurfürstentum Bayern, 1806 an das Episode gebliebene Großherzogtum Würzburg. Seit 1814 gehört Marktheidenfeld zum Königreich bzw. Freistaat Bayern. Obwohl ab 1806 Sitz des Amtes Homburg, das 1840 in Landgericht Marktheidenfeld umbenannt wurde und Vorgänger des späteren Landratsamtes und Amtsgerichtes war, und trotz des Baus der Mainbrücke 1837 - 1846, stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung der Marktgemeinde bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts. Dann allerdings setzte eine deutlich positive Entwicklung ein, verbunden mit einer Bevölkerungszunahme, die die erneute Vergrößerung der Pfarrkirche, und zwar um die beiden Seitenschiffe, 1897/1898 bedingte. ,,Am 24. September 1898 wurde die Kirche fertig und am 25. September 1898 durch den Bischof Ferdinand von Schloer eingeweiht." Die Gesamtkosten für den Anbau der beiden Seitenschiffe addiert der Chronist Georg Trunk auf 43.976,25 Mark.

Nicht unerwähnt bleiben soll, daß seit 1880 den evangelischen Christen ein eigener Bet8aal zur Verfügung stand, seit 1896 die eigene Kirche in der Würzburger Straße. 1890 zählte Marktheidenfeld 1839 Katholiken und 112 Protestanten. 1910 schlossen sich die wenigen Bürger jüdischen Bekenntnisses zu einer Kultusgemeinde zusammen, die letzten Juden wurden 1942 deportiert. Eine enorme Bevölkerungszunahme nach 1945 besonders infolge von Flucht und Vertreibung (1939: 2687,1950: 3983,1961: 4847 Einwohner, davon etwa 80 % Katholiken) ließ St. Laurentius endgültig zu klein werden. So entstand 1965 - 1967 im ,,Neubaugebiet" der erst 1948 zur Stadt erhobenen Marktgemeinde Marktheidenfeld als neues Gotteshaus die Kirche St. Josef.

Die gründliche Renovierung der Laurentius-Kirche 1982/83, untrennbar verbunden mit dem Namen des damaligen Stadtpfarrers und jetzigen Domkapitulars Karl Rost, hat sie auch als ,,Geschichtsbuch" der jungen Stadt wieder stärker in das Bewusstsein gerufen. Die besondere Verehrung der Gottesmutter, der Patrona Franconiae, spiegelt sich jetzt noch deutlicher wieder: Mariae Verkündigung über dem Priestersitz (rechts davon eine Plastik des HI. Joseph, der das Jesukind auf dem Arm hält), Maria als Mutter des Erlösers (Darstellung des rechten Seitenaltars), die Pieta, Mariae Aufnahme in den Himmel (Stukkatur am Plafond), schließlich Maria als Himmelskönigin, die dem HI. Dominikus den Rosenkranz überreicht (über der Pieta).

"An der St. Laurentiuskirche ist seit über 700 Jahren immer wieder gebaut worden. Zu den vier bisherigen Bauabschnitten im romanischen, gotischen, barocken und neubarocken Stil haben wir im Jahr 1983 einen fünften eingefügt. Es sind die geänderte Treppenanlage zwischen Chor und Kirchenschiff und der neue Volksaltar, der Ambo und die Priestersitze; alles wurde in heimischem roten Sandstein gefertigt." So liest man im Laurentius-Boten, dem Pfarrbrief, vom 2. Oktober 1983; und weiter:

"Die St. Laurentiuskirche zeichnet sich dadurch aus, dass jeder neue Bauabschnitt zwar im Stil der jeweiligen Zeit gestaltet, doch immer in das alte Bauwerk harmonisch eingebracht worden ist. Dasselbe haben auch wir im Jahre 1983 versucht: Gestaltet im Stil unserer Zeit von dem fränkischen Künstler Max Walter aus Vasbühl, sind Volksaltar, Ambo und Priestersitze keine Fremdkörper, sondern fügen sich ergänzend in den reich ausgestatteten Kirchenraum ein. Sie geben so Zeugnis von der Liturgieform nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und einer Kirche, die in jeder Zeit weiterwächst und doch dieselbe bleibt.

Zur Altarweihe am 16. Oktober ist die ganze Gemeinde herzlich eingeladen. Wir haben dabei unseren Bischof Paul-Werner Scheele unter uns, der den Weiheritus vollziehen wird. "Es gibt keinen anderen Gegenstand, den unsere Kirche feierlicher und hingebungsvoller einweiht als einen Altar. Immer wenn die heilige Messe an einem Altar gefeiert wird, wird auch das Kreuzesopfer Christi gegenwärtig, sein Leib, der für uns hingegeben wird, und sein Blut, das für uns vergossen wird. Das Kreuz, das auf jedem unserer Altäre steht, erinnert uns daran".

Anlässlich der Renovierung der St.-Laurentius-Kirche 1982/83 wurden unter dem Innenputz der Sakristei mittelalterliche Fresken gefunden, Wandmalereien, die direkt auf den frischen Putz aufgetragen wurden. Diese wurden 2003 teilweise freigelegt. Zum Vorschein kamen eine Abbildung von Christus, als Herrscher über die ganze Welt und den gesamten Kosmos, sowie eine Abbildung der vier Evangelisten, dargestellt als Tier-Symbole. Es wird vermutet, dass die Wandmalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen.
Einen weiteren bedeutenden kunsthistorischen Fund gab es ebenfalls im Jahr 2003. Bei den Renovierungsarbeiten in der Sakristei wurden zwei alte Grabplatten entdeckt, die Wilhelm und Elisabeth von Krichingen (gestorben 1610 bzw. 1612) darstellen. Wilhelm und Elisabeth von Krichingen waren Nachfolger der Wertheimer Grafen, nachdem Graf Michael III. von Wertheim bereits 1556 ohne männliche Nachkommen verstorben war. Die eindrucksvollen Grabplatten sind im hinteren Teil der Kirche aufgestellt.

Text: Michael Deubert

Kirchenpatron

Kirchen und Gebäude Marktheidenfeld
In der alten Marktheidenfelder Kirche ist Laurentius mit dem Rost und der Siegespalme dargestellt, denn er starb am 10. August 258 den Märtyrertod auf einem glühenden Rost unter Kaiser Valerian. Als Diakon hatte er sich besonders um die Armen der Stadt Rom gekümmert ("der Schatz der Kirche"). Die Siegespalme symbolisiert seine Vollendung bei Gott. Sein Name bedeutet "der mit Lorbeer Geschmückte". Er ist Patron der Armen, der Bibliothekare, Köche, Kuchenbäcker, Kohlenbrenner; er schützt vor Brandwunden, Feuer, Fieber, Rückenschmerzen und bewahrt vor den Qualen des Fegfeuers. Seinen Gedenktag begehen wir am 10. August.