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5. Fastensonntag mit Misereor-Kollekte

Beim Sonntagsgottesdienst in St. Josef ging Pfarrer Hermann Becker bei der Begrüßung auf die diesjährige Misereor-Aktion „ Mensch wo bist du“ ein. Heute gibt es oft Gelegenheit zu rufen: Mensch wo bist du, wenn die Gletscher schmelzen und die Meere steigen? Was machst du, wenn Minderheiten ausgegrenzt und Schutzbedürftige abgewiesen werden? Wie reagierst du, wenn Gleichgültigkeit oder Hass zunehmen? Mensch, wie willst du die Zukunft gestalten ?

Der Gottesdienst wurde von der Kath. Kantorei und den Akkordeonorchester auf höchsten Niveau mitgestaltet. Die Gottesdienstbesucher bedankten sich zum Schluss mit reichlich Applaus. In der Krypta fand gleichzeitig die Kinderkirche statt. Beim Vater Unser versammelten die Kinder sich um den Altar in der Oberkirche. Nach dem Gottesdienst wurden Osterkerzen verkauft, welche wieder von Irmgard Straub gestaltet wurden.

 Predigt: Pfarrer Hermann Becker

In allen drei Schriftlesungen dieses Sonntags geht es um Zukunft - um eine gute Zukunft, die Gott schenkt und auf die sich Menschen freuen können. Das passt doch zum diesjährigen MISEREOR-Thema: Mach was draus - sei Zukunft!

Beginnen wir im Tempel von Jerusalem: die Frau hat gesündigt - das ist objektiv richtig. Aber Jesus nagelt sie nicht auf ihre Vergangenheit fest. Er tappt auch nicht in die Falle der Schriftgelehrten und Pharisäer. Er stellt die Schuld klar - und spricht alle anderen aber auch auf ihre Sünden an. Und er vergibt der Frau und ermöglicht ihr einen neuen Anfang - sei Zukunft! Er gibt ihr eine neue Chance, ihr Leben in die Hand zu nehmen - und was draus zu machen.

500 Jahre vorher: Gott öffnet Israel, seinem Volk, die Tür für eine lebenswerte, bessere Zukunft. Dank dem Perserkönig Kyros darf Israel aus dem Exil heimkehren in sein Land, in seine alte Heimat. „Denkt nicht mehr an das, was früher war“ … an die Leiden, an die Tränen, an den Verlust, an all das, was ihr entbehren musstet; schaut nach vorne, „seid Zukunft!“

Und noch einmal - Paulus, der Christenverfolger, den sich Christus ergriffen hat und ihn zum großen Völkerapostel geformt hat. Er sitzt im Gefängnis in Ephesus und schreibt seinen Freunden in Philippi: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir ist.“ Und vor ihm steht Christus, steht die Auferstehung, steht die himmlische Berufung; aber auch die Sorge für seine Gemeinden, dass noch viele mehr von Christus hören und ihm folgen: sei Zukunft!

Bei allen Erzählungen wird die Vergangenheit und die Geschichte nicht heruntergespielt. Was verkehrt war, kann nicht rückgängig gemacht werden. „Wir haben gesündigt, und unsere Schuld ist groß“, heißt es im Psalmengebet. So musste Israel bekennen, so mussten es Paulus wie auch die Ehebrecherin sagen, wenn sie ehrlich bleiben wollten. So haben sie es bekannt.

So muss es auch heute Kirche sagen, und wohl jeder und jede von uns. In der Vergangenheit war nicht alles gut. Und was wir heute tun und unterlassen, trägt auch nicht immer zum Guten und zur Vermehrung von Glaube und Hoffnung und Liebe bei.

ABER - es gilt doch auch in die Zukunft zu schauen: auf unsere Möglichkeiten und Begabungen, auf die Herausforderungen der Zeit, auf die Nöte, die überwunden werden wollen:

wofür will ich leben?

wohin wollen wir kommen - als Kirche, als Gemeinde?

„Mensch, wo bist du?“, fragt das Hungertuch, fragt Gott wie einst den Adam im Garten des Paradieses - um uns aus der Verlorenheit herauszuholen und auf gute Wege des Lebens zu führen!

Das kirchliche Hilfswerk MISEREOR setzt sich seit über 60 Jahren ein für gerechte und menschliche Lebensbedingungen in allen Ländern der Welt. Es arbeitet zusammen mit den Kirchen vor Ort, in diesem Jahr ist das Schwerpunktland El Salvador in Mittelamerika. Die älteren unter uns erinnern sich an Don Arnulfo Romero, Erzbischof von San Salvador, der wegen seines Einsatzes für die Armen und Entrechteten am 24. März 1980 während der Messe am Altar erschossen wurde.

Misereor unterstützt Schulen, in denen Jugendliche eine gute Ausbildung bekommen, in denen sie auch spirituell gefördert werden, damit sie nicht in die Netze der Banden und kriminellen Organisationen fallen, die mit Drogen handeln und Schutzgeldern erpressen und schnelles Geld machen, die sich aber auch gnadenlos untereinander bekämpfen. Diese Jugendlichen werden dann selbst zu Botschaftern einer besseren und friedlicheren Welt, die möglich ist!

Mach was draus - sei Zukunft!

Es ist höchste Zeit, an dem gemeinsamen Haus zu bauen (siehe Hungertuch!), in dem Menschen auf der Erde in Frieden zusammen leben können, um dem Planeten Erde überhaupt eine Zukunft zu geben, wo Menschen leben können.

Ich weiß nicht, welche Informationen die Wissenschaftler noch liefern sollen, um die Dramatik zu zeigen, wohin wir steuern - wenn sich nichts ändert, wenn wir Menschen uns nicht ändern in unserem Lebensstil! Gibt es dann überhaupt noch eine Zukunft für die Menschheit?

Was ein Mensch machen kann, erleben wir gerade an der 16-jährigen Greta Thumberg. Offenbar hat sie den Nerv von vielen jungen Menschen getroffen, die sich nicht nur Gedanken, sondern zunehmend Sorgen machen um ihre Zukunft, um das Erbe, das wir Ältere ihnen überlassen!

Wohin wollen wir kommen, wie soll diese Zukunft ausschauen?

Nicht weniger dramatisch fragen wir uns das in der Kirche. Wohin führst Du uns, Gott? - angesichts des drastischen Rückgangs an Priestern, an Gläubigen, an finanziellen Mitteln? letztes Jahr fand in Rom eine Jugendsynode statt. Papst Franziskus hat jetzt ein Schreiben im Nachgang veröffentlicht „Christus vincit = Christus lebt“. Ich zitiere nur einen Satz daraus : „ Bitten wir den Herrn, er möge die Kirch von denen befreien, die die Kirche alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen.“

Jesus öffnet neue Wege - nach vorne, in Zukunft. Wie die Frau im Evangelium hat „Kirche“ gesündigt (Bischöfe, Priester, aber auch Laien). Aber diese Kirche = wir dürfen auch hören: Geh!, entdecke Deine Begabungen neu, ergreife das leben in seiner bunten Vielfalt, sündige nicht mehr, d.h. bleibe mit deiner Quelle verbunden - mit Gott!

„Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ Gott helfe uns, die Augen dafür zu öffnen, die Sinne für Sein Wirken zu schärfen, den Mut zu haben, das Neue anzunehmen und zu leben. Amen.

Text und Bilder: Erhard Wiesmann

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