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In der Tradition der alten Wallfahrten zum Kloster Neustadt, wurde für die 1250-Jahrfeier von den umliegenden Pfarreiengemeinschaften am Samstag, den 04. Mai 2019, zu einer Sternwallfahrt eingeladen.

Von unserer Pfarreiengemeinschaft „St. Laurentius am Spessart“ machte sich bei strömendem Regen eine kleine Fuß-Pilgergruppe von Rothenfels aus auf den Weg zum Kloster Neustadt. Gegen 10:30 Uhr trafen sich alle Pilgergruppen auf den Main-länden unterhalb vom Kloster und pilgerten dann in einer gemeinsamen großen Prozession zur Klosterkirche. Dort feierten die Pilger unter Mitwirkung der Waldzeller Musikanten einen Festgottesdienst. Acht Priester aus den teilnehmenden Pfarreiengemeinschaften konzelebrierten unter der Leitung von Domkapitular
Dr. Jürgen Vorndran den Festgottesdienst.
In seiner Festpredigt versuchte er die Wallfahrer in die Zeit der Gertrud von Nivelles zu führen und zeigte auf, welche Strahlkraft ihr Lebenswerk damals hatte. Durch ihre tiefe Spiritualität und ihr großes christlich-soziales Engagement für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen erlangte sie hohes Ansehen und große Verehrung überall dort wo sie wirkte und in der ganzen damaligen christlich geprägten Welt. Sie war eine Heilige zum Anfassen. Das zeigt auch die Verehrung des Mantels der hl. Gertrud. Bei der Berührung des Mantels, der sie umhüllte erhofften die Pilger Heilung in ihren Nöten, „Hilfe und Heilung durch die Kraft, die der Mantel umhüllte“.

„Umhüllt. Geborgen. Gesegnet.“

Das Wallfahrtsthema umschreibt genau das Wirken der hl. Gertrud. Neben dem hl. Martin, war sie die meist verehrte Heilige des 1. Jahrtausends nach Christus. Ihre Strahlkraft ist vergleichbar mit der hl. Elisabeth von Thüringen im zweiten Jahrtausend.

Das Wallfahrtsthema umschreibt auch, was Kloster Neustadt spirituell für unsere Region bedeutet hat.

Unser Pilgergruppe hat auf dem Wallfahrtsweg zwei Stationen aus dem Leben Jesu aufgegriffen. Ein neueres Krippenbild der Hl. Familie, welches das Wallfahrtsthema sehr treffend beleuchtet. Es zeigt, wie das Jesuskind von seinen Eltern liebevoll umhüllt wird.

 Vielleicht kennen manche von Ihnen eine solche

neuere Krippendarstellung wie auf dem Bild
zu sehen ist, auf der Maria ganz liebevoll das
kleine Jesuskind auf ihrem Arm liegen hat und
der Hl. Josef steht an Ihrer Seite und umhüllt
Maria und das Jesuskind mit seinem Mantel.
Er schützt Maria mit dem Kind.
Jesus lebt im Schutz seiner Eltern. Sie haben ihn
im Blick.
„Umhüllt, geborgen, gesegnet“
Maria und Josef zeigen Jesus der ganzen Welt.
Maria und Josef bringen Jesus unter die Leute.
Er ist mitten unter den Menschen. Es ist die
Botschaft, die die Welt braucht.

Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Näher kann er uns nicht kommen. Gott ist mitten unter uns. Diese Wahrheit hat seitdem Milliarden Menschen in Bewegung gebracht…………

In Bewegung waren auch wir auf unserer Wallfahrt nach Neustadt. Wie Maria und Josef nehmen wir uns Zeit für Gott und die Menschen.

 Eine zweite Station 

aus dem Leben Jesu wurde auf unserer Wallfahrt in den Blick genommen. Es ist das Emmaus-Ereignis, das wir im Evangelium am Ostermontag gehört hatten. Es ist vielleicht die schönste Ostererzählung im Neuen Testament. Weil sie so behutsam mit dem Glauben an Jesus umgeht. Und weil sie mit einer Frage endet: Brannte uns nicht das Herz in der Brust …….?
Die Frage, ob ich von Jesus berührt werde, ist existentiell für mich, ja für jeden von uns. Und mit ihr verbunden, dass ich balancieren muss zwischen Ungewissheit und Hoffnung.
Der Evangelist Lukas überträgt die Stimmung auf uns, in unsere Zeit. Ostern – das ist zwar ein historisches Ereignis vor 2000 Jahren; trotzdem bleibt es keinem Menschen erspart, den Weg dorthin selbst zu gehen – durch die Zeit, auch in Nacht und Dunkelheit – die Erfahrungen des persönlichen Karfreitags eingeschlossen.

Wir haben versucht uns auf unserem Wallfahrtsweg nach Neustadt in diese Stimmung, in diesen Emmaus-Weg hinein zu versetzen. Unser Gebet ging darum, dass wir nicht allein sind: dass es immer Menschen an unserer Seite gibt, einen Freund wie Kleopas. Und dass Jesus mit mir geht, auch wenn ich ihn nicht bemerke, dass er bei mir einkehrt.

Auf dem letzten Wegabschnitt war auch der Mantel der hl. Gertrud, der im Kloster Neustadt aufbewahrt wird, ein Teil unserer Wallfahrtsbetrachtung.

Umhüllt. Geborgen. Gesegnet. Wie sich Jesus damals den Emmaus-Jüngern erfahrbar gemacht hat, so macht er sich auch bis heute Menschen erfahrbar. Durch alle Zeiten hindurch lässt er Menschen seine Gegenwart und seinen Beistand spüren. Wie man einen wärmenden Mantel in der Kälte anlegt, so umhüllt Gott uns Menschen und wärmt uns vor äußerer und innerer Kälte. Wir dürfen uns in ihm bergen, wenn uns angst und bange wird. Wir dürfen uns von ihm gesegnet wissen, wenn wir uns auf ihn einlassen. Der Mantel Mariens und auch der Mantel der Heiligen Gertrud drücken diese Zusage Gottes sinnbildlich aus.
Frauen und Männer, die sich von Gott „umhüllt, geborgen, gesegnet“ wissen, strahlen Lebendigkeit und Hoffnung aus. Ihre Gottesbeziehung trägt sie durch alle Phasen des menschlichen Lebens hindurch.

 Nach dem Festgottesdienst hatten wir die Möglichkeit, den Mantel der hl. Gertrud zu betrachten und vor ihm im Gebet zu verweilen. Er ist im Obergeschoss über der Sakristei aufbewahrt. Anschließend gab es ein warmes Mittagessen für alle Pilger. Am Nachmittag um 15:00 Uhr endete der Festtag mit einer Dankandacht. In der Andacht wurde auch der Einzelsegen für Pilger gespendet, soweit er von den Pilgern gewünscht wurde.

Gestärkt an Leib und Seele und mit vielen Eindrücken aus guten Begegnungen kehrten die Pilger nach Hause zurück.

 Text: Edgar Roos / Bilder: Erhard Wiesmann

 

 

 

 

 

 

 

 

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