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Am Sonntag, den 15. September 2019, fand um 10:00 Uhr in St. Josef Marktheidenfeld ein besonders gestalteter Gottesdienst zum Thema „Die bedrohte Schöpfung“ statt.
Pfarrvikar Matthias Eller begrüßte die Gottesdienstbesucher und führte sie in das Thema Schöpfung ein.
Anstelle der Predigt hörten die Anwesenden ein Szenisches Spiel aus dem Jahre 2040. Pastoralreferent Reinhold Grimm begrüßte eine „Besuchergruppe“ im „Museum für die Geschichte der Erde und der Menschheit“ welche die nachfolgenden Texte per Audioguide hörte:

Schön, dass die aktuelle Jubiläums-Sonderausstellung „Die erschöpfte Schöpfung“ Ihr Interesse geweckt hat.
Es wird für Sie auch eine Reise in ihre eigene Vergangenheit werden.
Wir blicken heute mit gemischten Gefühlen und Gedanken gut 20 Jahre zurück, ins Jahr 2019/2020.
Es war eine Zeit der großen Reden und hehren Vorsätze, der lauten Absichtserklärungen und Appelle.
Es war die Zeit, wo man sich mehr mit Personen als mit ihren Anliegen und Ansichten befasst hat!
Es war aber auch die Zeit, in der junge Menschen aufstanden und ihre Zukunftssorgen lautstark auf die Straße trugen!
Es müsste sich was ändern – davon waren viele, wenn auch nicht alle fest überzeugt.
Aber etwas konkret zu ändern dazu waren dann doch sehr viele nicht bereit!
In unserer Ausstellung wollen wir Ihnen zeigen, was der Mensch im Laufe der Zeit mit und aus der Erde gemacht hat.
Den Gründen für sein Verhalten nachspüren und betrachten, welche Folgen es für ihn, seine Mit-Menschen und die Natur hatte.
Mit den Auswirkungen von damals haben wir bis heute ins Jahr 2040 zu kämpfen. -

Die Ausstellung beginnt hier vorne an der blauen Säule.
Sie sehen vor sich die Darstellung eines Goldenen Kalbes.
Der genaue Fundort sowie das genaue Alter sind unbekannt.
Das Goldene Kalb ist seit jeher ein Symbol für das menschliche Streben nach Unabhängigkeit von einer höheren Macht, für sein Streben nach irdischem Reichtum; es steht auch für die Gier der Menschen nach Immer-mehr.
Wozu das vor gut 20 Jahren geführt hat, sehen Sie später.
Immer wieder haben sich die Menschen im Laufe ihrer Geschichte verführen lassen, fremde Gottheiten zu erfinden, sie zu verehren und ihnen Opfer zu bringen.
Sie haben sich diesen selber gemachten Gottheiten zum Teil gedankenlos unterworfen.
Schon ein alter Text aus den frühen Zeiten des Judentums berichtet davon, dass sich die Menschen einen Gott nach ihren Vorstellungen selbst erschaffen haben.
Zwar haben die Menschen im Jahre 2019 keine Tiere mehr verehrt, aber sie hatten trotzdem ihre Goldenen Kälber?
Das „Auto“ war in dieser Zeit eines davon;
aus dem Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken.
Sie mussten möglichst groß sein,
sie durften seltsamerweise auch viel kosten.
Nichts war den Menschen zu schade dafür.
Wenigstens den meisten.
Die scheinbare Krönung waren die sogenannten SUV.
Die meisten Menschen brauchten sie eigentlich gar nicht,
aber da sie es sich leisten konnten, wollten sie sie besitzen.
Dem Auto waren die Menschen bereit viel zu opfern:
Geld - Zeit - Nerven.
Es war längst kein bloßes Nutzfahrzeug zum Transport von Personen oder Gütern mehr, sondern es war eine Möglichkeit, zu zeigen, wer man ist und was man sich leisten konnte.
Viele Menschen bemerkten nicht, wie dieses Goldene Kalb still und heimlich auch ihr Denken und sogar ihr Wesen veränderte.
„Billig“ war ein anderes Zauberwort jener Zeit.
Flüge möglichst billig,
Busfahrten möglichst billig,
Kleidung möglichst billig,
Sprit möglichst billig,
Gebrauchsgegenstände möglichst billig.
Rabatte, das Prozentzeichen, Sonderangebote und Schlussverkäufe hatten magische Anziehungskraft.
Doch was billig war, hatte auch keinen Wert.
Auf wessen Kosten das eigentlich ging, interessierte die meisten Menschen nicht.
Das Goldene Kalb trug damals auch noch andere Namen:
Konsum, Reisen, Kreuzfahrten, Aktien, Smartphone, Internet und vieles mehr.
Den Menschen war es in der Regel nicht wichtig,
was sie damit der Welt, ihren Mitmenschen und ihrer Nachwelt zumuten;
wie sie auf Kosten der Zukunft ihrer Enkel lebten, schien sie nicht zu beunruhigen.
Es ging ihnen in erster Linie um ihr Vergnügen, ihren Vorteil.
Sie waren vorwiegend mit sich selbst beschäftigt.
Das Streben nach mehr Geld und mehr Besitz, nach eigenem Wohlstand stand für die meisten an erster Stelle.
Und es ging fast immer ums Geld: Geld hat die Welt regiert.
Konzerne hatten die Menschen fest im Griff.
Dass dabei viel verloren ging, schienen manche gar nicht zu bemerken – und zu vermissen.
Verloren ging die menschliche Zuwendung und Wärme.
Das Jeder-nur-für-sich und das Gegeneinander löste das Miteinander ab.
Dass Gott der Schöpfer dieser Welt sei, glaubten immer weniger, weil sie so vieles selber machen konnten.
So spürten die Menschen anfangs auch nicht, dass sie sich selber immer mehr verloren gingen.
Wenn Menschen etwas verlieren, was ihnen wichtig ist, was tun sie dann?
Die Frage ist nicht neu – wie schon im Lukasevangelium erzählt wird:
Was ging den Menschen damals im Jahre 2019 - zum Teil unwiederbringlich verloren ?
Im rechten Behältnis sehen sie eine Probe des letzten sauberen Wassers.
Wasser ohne Schadstoffe, ohne Mikroplastik, ohne Chlor, ohne Nitratbelastung:
Reines Trink-Wasser.
Im Gegensatz zu heute musste es meistens noch nicht mit Chemie bearbeitet werden, damit es für die Menschen überhaupt genießbar war.
Im linken Behälter sehen sie saubere Luft.
Sie zeigt keinerlei Färbung oder Trübung und ist auch nicht mit gesundheitsschädlichen Stoffen belastet.
Im mittleren Behältnis sehen Sie einen Rest fruchtbaren, sauberen Bodens.
Unverseucht, ohne Zusatz künstlicher Wachstumsbeschleuniger oder Unkrautvernichter.
Hier sehen Sie Beispiele von verschiedenen Tiere wie sie damals noch vorkamen.
Viele von ihnen gibt es heute nicht mehr: - ein Biber,- Eichhörnchen,- ein Falke, auf Ast sitzend und mit geöffneten Schwingen über fliehenden Eichelhäher, - eine Schleiereule, - ein fauchender Steinmarder.
Viele Menschen schienen diese Tiere aber nicht zu vermissen.
Es waren aber Lebewesen, die zu dieser Welt gehörten wie die Menschen auch.
Die Gedanken- und die Achtlosigkeit der Menschen hat letztlich dazu geführt, dass es manches Leben nicht mehr gibt,
dass manches ausgelöscht wurde.
Aber es scheint den Menschen nicht wirklich beunruhigt zu haben.
Was sie sich nicht oder nur selten gefragt haben, war, ob sie eigentlich das Recht hatten, so mit dieser Schöpfung Gottes umzugehen?
Alles den eigenen, zum Teil rein wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen?
Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf andere Menschen auf dieser Welt?
Sie hatten diese Welt aber nicht selber erfunden und gebaut.
Woher hatten sie das Recht?
Sie haben sich im Laufe der Zeit und mit den immer neuen Möglichkeiten immer mehr zum Herrn über die Schöpfung aufgespielt;
sie haben bestimmt, was sein darf und was nicht;
sie haben nicht bedacht, wem sie nützen und wem sie schaden;
sie fühlten sich niemandem Rechenschaft schuldig;
schon gar keinem Schöpfer.
Das war gestern.
Daran glaubten nur noch manche in den Religionen.
Und auch die nicht mehr alle.
Der Mensch – die Krone der Schöpfung, so jedenfalls glaubten die sogenannten Christen damals noch – wurde zum Mittelpunkt der Welt und zum Herrscher über die Schöpfung.
Aber mit welchem Recht nahmen sich die Menschen dieses Recht?
Nur weil sie es konnten?
Nur weil ihnen niemand Einhalt gebot? …
[Der Mensch - wie die Bibel sagt "geschaffen nach Gottes Bild, ihm ähnlich; berufen, über die ganze Erde zu walten" -- hat schnell vergessen, nach wessen Vorbild er Herr sein soll, und sich selbst zum alleinigen Maßstab genommen. "Krone der Schöpfung" hat sich auch der Christ genannt und weggehört, als Jesus davon sprach, dass wahres Herrschen Dienen sei.
Auch sie wollten dabei sein: Mittelpunkt der Welt, Herrscher über die Schöpfung - nach den eignen Plänen.
Doch mit welchem Recht nahmen sich die Menschen das heraus? ...]
Es hätte nicht so kommen müssen, wie es dann kam.
Die Menschen hatten es in der Hand.
Was sie daraus gemacht haben, das wissen Sie heute als Zeitgenossen im Jahre 2040.
Sie hätten damals etwa ändern können.
Dann hätte es dieses Museum vielleicht gar nicht gebraucht. …
Sie hatten damals wohl diese Erkenntnis vergessen:
Die Natur braucht den Menschen nicht,
wohl aber der Mensch braucht die Natur!
Wir danken Ihnen für Ihren Besuch und hoffen,
dass Sie nicht nur den Blick in ihre Vergangenheit genossen haben,
sondern vielleicht auch den Anstoß mitnehmen,
etwas zu ändern, solange noch die Zeit bleibt, etwas ändern zu können!
Kommen Sie gut nach Hause und in die Zukunft!

So der Text aus dem Museum im Jahre 2040.

Sprecher waren Marlies Grollmann und Andrea Pöschl. Der Gottesdienst wurde musikalisch mitgestaltet vom Männergesangverein Winterscheid

Bilder: Erhard Wiesmann / Text:Reinhold Grimm, Erhard Wiesmann

 

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