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Die Bedrohungen unserer Erde sind bekannt. Die Umweltbelastungen steigen immer schneller an.Es gibt nie dagewesene klimatische Veränderungen und eine Zerstörung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren durch extreme Landnutzung und Ausbeutung der Ressourcen. So hat die Erde keine Zukunft.
Professor Dr. Michael Rosenberger war am 17. September auf Einladung des Bund Naturschutz und der katholischen Pfarrgemeinde im Pfarrheim in Marktheidenfeld zu Gast.

 

Er lieferte zu Beginn seines Vortrags „Schöpfungsverantwortung - eine Menschheitsaufgabe zwischen Bedrohung und Hoffnung“ eine Situationsbeschreibung und wach rüttelnde Analyse. Unser Planet Erde ist an seine Grenzen gekommen. Die Erderwärmung ist nicht das einzige Umweltproblem, das die Menschheit zu lösen hat. Es gibt vielfältige Wechselwirkungen. Dadurch ist es nicht leicht, weltweit in eine andere Richtung zu steuern. „Was gerade vor sich geht, stellt uns vor die Dringlichkeit, in einer mutigen kulturellen Revolution voranzuschreiten,“ schreibt Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si' “. Das funktioniert nicht mit ein paar kleinen „Reförmchen“. Es braucht eine ökologische Umkehr, die auch die gesamte Kultur moderner Industriegesellschaften umgreift. Wie wir wirtschaften, wie wir konsumieren, wie wir leben und unsere Freizeit gestalten, nach welchen Werten wir streben - all das hat Bedeutung und Wirkung. Politik und Wirtschaft sind hier genauso gefragt wie jeder einzelne in seinem alltäglichen Verhalten. Ohne Verzichtsleistungen ist Klimaschutz nicht zu haben. Aber sobald diese eingefordert werden, entsteht großer Widerstand. Um zu einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise zu gelangen, braucht es eine spirituelle Neuorientierung.
In diesem Sinn schreibt Papst Franziskus: „Es geht darum, über die Beweggründe zu sprechen, die sich aus der Spiritualität ergeben, um eine Leidenschaft für den Umweltschutz zu fördern. Denn es wird nicht möglich sein, sich für die großen Dinge zu engagieren allein mit Lehren, ohne eine Mystik, die uns beseelt, ohne innere Beweggründe, die das persönliche und gemeinschaftliche Handeln anspornen, motivieren, ermutigen und ihm Sinn verleihen.“
Der Papst sieht hier einen wertvollen Beitrag der Religionen: „Die christliche Spiritualität schlägt ein anderes Verständnis von Lebensqualität vor und ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, auf manches zu verzichten und sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein.“ Dazu gehört, das Schöne und Kleine in der Natur und im Leben zu würdigen und dankbar zu sein für die Möglichkeiten, die das Leben bietet, ohne uns an das zu hängen, was wir haben.
Wer sich mit großem Engagement für die Bewahrung der Schöpfung engagiert, erlebt mitunter Enttäuschung und Ermüdung. Umso wichtiger ist es, Hoffnung nicht an den Erfolg zu hängen. Hoffnung ist eine Gewissheit, dass etwas einen guten Sinn hat - egal, wie es am Ende ausgehen wird. Diese Hoffnung gibt uns Kraft zu leben und immer wieder Neues zu wagen. Mit innerer Gelassenheit dürfen wir Vertrauen in Gott haben, dass er die Welt rettet.
Im Anschluss an kurze Nachfragen und Äußerungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern gab es an fünf Stationen die Möglichkeit, sich für das praktische Handeln im Alltag anregen zu lassen. Christina Schlembach und Stefanie Liebler vom Frauenkreis zeigten auf, wie klimafreundliche Ernährung aussieht und boten Häppchen mit Aufstrichen aus heimischem Gemüse an. Erich Perchermeier und Joachim Hörnig vom Bund Naturschutz erklärten, wie wertvoll naturnahe Gärten für die Erhaltung der Artenvielfalt sind. Roswitha Peters und Diana Schreck von der Projektgruppe Energiebewusstes Marktheidenfeld widmeten sich dem Thema Mobilität. Sie freuen sich, dass es für den Busverkehr von und nach Marktheidenfeld ab November einen Stundentakt geben soll. Michael Kohlbrecher, Energie- und Klimaschutzbeauftragter des Landkreises, stellte sich für Fragen zu Verfügung. Die Lehrer David Esterl von der Mittelschule und Reinhold Grimm von der Fachoberschule berichteten von Aktionen und Projekten im Verlauf des Schuljahres.
An einem Parcours des Weltladens konnte man unter Anleitung von Ulrike Steigerwald seinen eigenen ökologischen Fußabdruck messen. In den Bereichen Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität gab es für nachhaltiges Verhalten Punkte.
Von den 120 Besuchern des Abends kamen viele verstärkende Rückmeldungen. Die Mischung von wissenschaftlicher Grundlegung, spiritueller Orientierung und praktischer Umsetzung wurde als sehr anregend benannt.
Conni Schlosser vom Bund Naturschutz und Ulrich Geißler von der katholischen Kirchengemeinde, die den Abend geplant und moderiert hatten, konnten deshalb ein positives Fazit ziehen und den vielen Beteiligten eine herzliches Dankeschön aussprechen. Unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Gruppen handeln auch weiterhin vereint für unseren Lebensraum und für den Erhalt unserer Erde.

Text: Ulrich Geißler Bilder: Erhard Wiesmann

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