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Katholische Kantorei und Gäste überzeugen bei Mozart-Werken. Mit der Katholischen Kantorei Marktheidenfeld hat deren Leiter Hermann Grollmann in der Vergangenheit immer wieder neue Maßstäbe der konzertanten Kirchenmusik in der Stadt und darüber hinaus zu setzen verstanden. Kurz vor Jahresschluss gelang dies abermals bei einem ausverkauften Konzert in der großen Pfarrkirche St. Josef.

Auf dem Programm standen mit den „Vesperae solonnes de Confessore“ (C-Dur, 339) und der „Großen Messe in c-Moll“ (KV 427, ergänzt von Robert D. Levin) zwei besonders herausfordernde Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, mit denen dieser 1780 in Salzburg und wenige später 1782 in Wien europäische Musikgeschichte geschrieben hatte.

Zu Beginn hatte Dekan Hermann Becker seine große Freude über das außergewöhnliche Musikereignis zum Ausdruck gebracht, das dem Erleben der Weihnacht und damit der Empfindung von Gottes Liebe entspreche. Voraussetzung für das großartige Chorkonzert mit 100 Sängerinnen und Sängern im Altarraum war die erstmalige Zusammenarbeit der Kantorei mit dem Chor Cantamus Kierspe. Dieser steht unter Leitung von Frank Bisterfeld, der gemeinsam mit Hermann Grollmann an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid als Musikerzieher tätig ist.

Bereits Anfang November hatte man unter Bisterfelds Leitung das Konzert im sauerländischen Meinerzhagen uraufgeführt. Nun durfte man auf das Gelingen unter der Gesamtleitung von Hermann Grollmann an Main gespannt sein und sollte nicht enttäuscht werden.

Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, die in Frankfurt am Main unter der künstlerischen Leitung von Juri Gilbo steht, erweist sich seit Jahren als ein zuverlässiger und musikalisch brillanter Partner bei den forderndem Vorhaben der Kantorei. Auch dieses Mal zeigten sich die Musiker den besonderen Anforderungen der aufgeführten Werke in professioneller Manier bestens gewachsen. Vor allem die Holzblasinstrumente glänzten in einigen beinahe lyrisch wirkenden Begleitungen der Vokalvorträge.

Neben den beiden großartig harmonierenden Chören in Sätzen bis zu acht Stimmen, kam es ebenso auf die Gesangssolisten an. In besonderer Weise galt dies für die Kölner Sopranistin Agnes Lipka, deren wunderbare Stimme besonderen Passagen wie dem „Laudate Dominum“ aus den Vesperae oder absolut brillant und überzeugend im Credo („Et incarnatus est“) der Messe Kontur und Charakter verlieh. Die Heidelberger Sängerin Lena Sutor-Wernich (Alt, Mezzosopran), Tenor Wolfgang Klose (Rheurdt) und der Mannheimer Georg Gädker (Bass, Bariton) ergänzten mit ihren tadellosen Vorträgen das hervorragende Gesamtbild.
Dieses musste von Gesamtleiter Hermann Grollmann konsequent, einfühlsam und mit einem tiefen Verständnis für die beiden durchaus komplexen Mozart-Werke aus den vielen Bestandteilen zusammengeführt werden und dies gelang wirklich restlos überzeugend.

Schon der erste der fünf eher traditionell zu verstehendem Psalmen „Dixit Dominus“ von Mozarts Vesperae verlangte schon zu Beginn den rund 150 beteiligten Musikern und Sänger alles ab. Dem Werk wohnt aber eine innere Steigerung bis hin zum schon erwähnten, spannungsgeladenen „Laudate Dominum“ im „stile moderno“ inne, bevor das abendliche, musikalische Chorgebet im „Magnificat“ mit einem beinahe zusammenfassend wirkenden Lobpreis der Gottesmutter nach dem Lukasevangelium endete.

Dem traditionellen katholischen Messeordinarium mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus/Benedictus und Agnus Dei folgt natürlich auch Mozarts „Große Messe in c-Moll“. Warum sie in wesentlichen Teilen unvollendet blieb, darüber kann letztlich nur spekuliert werden. Der US-amerikanische Pianist Robert D. Levin widmete sich dem Werk mit wissenschaftlicher Akribie und legte im Jahr 2005 die notwendigen kompositorischen Ergänzungen zu einer umfassenden Aufführung vor. Dies war für den Laien sicherlich in der St.-Josef-Kirche kaum wahrzunehmen, in der Fachwelt blieb das Vorhaben freilich wie so vieles keineswegs unumstritten.

Das Werk voller muskalischer Ideen und Einfälle bis hin zu gewaltigen achtstimmigen Doppelchören im Kontrast zu einer bravourösen Sopranistin, zu einfühlsam agierenden Streichern und sanft ihre Akzente setzenden Bläsern zeugte von geradezu göttlicher Schönheit. Seine wohl tief empfundene Religiosität ließ die Messe zu einem einmaligen Lobpreis Gottes werden, der am Ende vom Publikum stehend mit überwältigendem Applaus gefeiert wurde.

Nebenbei, am Schluss des informativen Programmhefts wurde schon ein wenig die Vorfreude auf das erste Jahreskonzert des nun gerade begonnen, neuen Jahrzehnts mit der Katholischen Kantorei geschürt. Am 29. Dezember 2020 soll es mit Henry Purcells barocker Semi-Oper „König Arthur“ und Chorliedern von Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie Josef Rheinberger ein Wiedersehen geben. Sängerinnen und Sänger, die gerne daran mitwirken würden, seien jederzeit willkommen.

 

Text und Bilder: Martin Harth

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