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Der Libanon ist Beispielland der Sternsinger Aktion 2020. Unter den Leitwort “Segen bringen.Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“ ziehen auch in Marktheidenfeld 35 Mädchen und Buben in 10 Gruppen aufgeteilt als Dreikönigssänger in bunten Gewändern gekleidet durch die Stadt und bitten um Spenden für die Kinderhilfswerke weltweit.

Bei einen Gottesdienst am 05.01.2020 in der St. Josefskirche sandte Pfarrer Hermann Becker die Dreikönige in Marktheidenfeld aus. Die Sternsinger unterstützen mit ihrer Aktion eine Stiftung, in der Muslime und Christen zusammen sich um Jugendliche und auch Kinder kümmern und über den Weg der Bildung zu einem Leben der gegenseitigen Toleranz führen wollen. Aus dem Bewusstsein der eigenen Religion, der Herkunft, der Geschichte, soll Kraft kommen, den anderen in seiner Eigenart zu akzeptieren; Vielfalt leben - miteinander und nicht nebeneinander her, so das Ziel. Kein Weg ist zu weit, kein Haus zu baufällig, kein Mensch zu gering, um nicht den Segen Gottes zu bringen: Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus! - Alle! "Ihr Sternsinger seit Friedensapostel die den Frieden und den Segen in die Häuser und Straßen bringen", so Becker. Bei ihren Hausbesuchen schreiben die Sternsinger den Segen mit gesegneter Kreide über die Türen: 20*C+M+B+20. Die Buchstaben C+M+B stehen für die lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus. Die drei Kreuze bezeichnen den Segen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Mit dem Geld, das die Sternsinger sammeln, unterstützt die Aktion Dreikönigssingen jährlich mehr als 2.000 Projekte für Kinder in Not. So soll den Sternsingern die Lebenssituation von Kindern am konkreten Beispiel eines Landes nahegebracht werden. Gesammelt wird aber nicht nur für dieses eine Land, sondern für alle Projekte.

Predigt: Pfarrer Hermann Becker
2. So nach Weihnachten * 2020

Ich möchte den Prolog etwas umformulieren:
„Im Anfang war der Friede, und der Friede war bei Gott, und der Friede war Gott.
Dieser war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch den Frieden geworden, und ohne ihn wurde nichts, was geworden ist.“

Darf man so sagen?
Immerhin hieß es doch an Weihnachten: „Heute ist der wahre Friede vom Himmel herabgestiegen.“ Christus Jesus, das Wort, der logos, die Liebe, der Friede - auch wenn der Friede nicht zu den sieben „Ich-bin“- Worten gehört - „Ich bin das Brot des Lebens, das lebendige Wasser, der gute Hirte, der Weg ...“ - , so ist doch mit Jesus der Friede im Himmel und auf Erden fest verbunden.

Davon erzählen doch auch unsere Weihnachtskrippen: alle sind sie dort beim Kind vereint, so unterschiedlich sie auch sind: Hirten und Könige, Ochse und Esel, Kamel und Katze … und was wir so alles in die Krippe stellen!

Vom Frieden singen und verkünden in diesen Tagen wieder weltweit - die Sternsinger!, die weltweit größte Kinderaktion. In diesem Jahr mit dem Motto: Frieden! Im Libanon und weltweit.

Sie lenken unseren Blick in ein kleines Land, das zum großen Konfliktgebiet unserer Zeit gehört. Der Libanon hat Grenzen zu Syrien und zu Israel. 15 Jahre wütete bis 1990 ein zermürbender Bürgerkrieg, der viele Wunden gerissen hat. Und doch hat man ein politisches System gefunden, das einigermaßen den Frieden im Land gehalten hat. Die Machtverteilung unter den ansässigen Religionen ist genau geregelt: Der Staatspräsident ist ein christlicher Maronit, der Parlamentspräsident muslimischer Schiit, und der Regierungschef ein muslimischer Sunnit. In diesem System des Konfessionalismus gibt es keine Trennung zwischen Religion und Politik.

Zu den 6,1 Millionen Einwohnern leben derzeit etwa 1 Million Flüchtlinge - anfangs bereitwillig aufgenommen, ist die freundliche Einstellung umgekippt in Ablehnung und Hass. Denn dem Land geht es schlecht. Es steht vor dem finanziellen Ruin. Ich habe heute erst eine Nachricht gelesen, dass sich aus dem Gefühl finanzieller Ausweglosigkeit in den vergangenen Wochen schon vermehrt Familienväter das Leben genommen haben.

Und wie es weitergeht, erst recht nach dem Attentat auf den iranischen General - ?

Die Sternsinger unterstützen mit ihrer Aktion eine Stiftung, in der Muslime und Christen zusammen sich um Jugendliche und nun auch Kinder kümmern und über den Weg der Bildung zu einem Leben der gegenseitigen Toleranz führen wollen. Aus dem Bewusstsein der eigenen Religion, der Herkunft, der Geschichte, soll Kraft kommen, den anderen in seiner Eigenart zu akzeptieren; Vielfalt leben - miteinander und nicht nebeneinander her, so das Ziel.

Wie wichtig sind die Friedenswege der Sternsinger!
Kein Weg zu weit, kein Haus zu baufällig, kein Mensch zu gering, um nicht den Segen Gottes zu bringen: Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus! - Alle!

Gleich welcher Religionszugehörigkeit vermittelt der Segensspruch, was schon der Epheserbrief nahe bringen wollte: Gott will uns als Söhne und Töchter, Er hat uns immer schon erwählt, das heißt ER kennt uns, ER weiß um einen jeden und jede, und ER will ewige Glückseligkeit schenken. Er macht uns frei, er gibt Wert und Ansehen.

Der Eine Gott - ist ein Gott des Friedens und nicht des Krieges; Darum sollen und müssen die Religionen einen Weg zueinander finden und dürfen nicht Grund sein, dem anderen die Daseinsberechtigung abzusprechen, Gewalt zu verbreiten, Hass zu säen.

Dieser Gott - so unser christlicher Glaube - hat unter uns gewohnt, ist Mensch geworden, damit wir Gott werden, Anteil erhalten an seinem göttlichen, ewigen und herrlichen Leben.

Wie würde man sich wünschen, dass die Botschaft der Sternsinger lauter und kräftiger wäre als die Hass- und Drohpredigten mancher politischen Führer derzeit. Vom kleinen Bruder Andreas Knapp stammt dieses treffende Gedicht:

hoffentlich
wird es noch
vor dem Ende der Tage
geschehen

Stahlhelme werden
umgerüstet zu Kochtöpfen
und Missiles für das Silvesterfeuerwerk
das Wort Krieg wird zum / Unwort des Jahrtausends
Soldaten spielen / Mensch-ärgere-dich-nicht
während die Offiziere / Ölbäume pflegen
die Rüstungsbonzen / gehen am Bettelstab
und der Verteidigungsminister
züchtet nach seiner Umschulung
weiße Tauben.

Text:Erhard Wiesmann / Hermann Becker
Bilder: Erhard Wiesmann

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