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Pfarrer Hermann Becker trug im Sonntagsgottesdienst in St.Josef seine Predigt in Reimen mit humorvollen , nachdenklichen und hoffnungsvollen Elementen vor. Er begrüßte die Kinder, die sich verkleidet hatten und freute sich, dass auch die „Lorbser“ mit einer Abordnung, dem Prinzenpaar und dem Kinderprinzenpaar am Faschingssonntagsgottesdienst teilnahmen.

Faschingspredigt von Pfarrer Hermann Becker:

Helau, helau - so schallt's in diesen Tagen,
mancher kann es schon nicht mehr ertragen.
Fasching ist, oder auch Foasenoacht,
die hat manchen schon um seinen Verstand gebroacht.

Doch mit dem Verstand ist's so 'ne Sache,
was da rauskommt, ist oft nicht zum Lache'!

Ja wenn es denn die lustigen Gedanken wären,
und einer nicht wirklich greift zu den Gewehren,
und schießt und tötet sinnlos um sich herum -
da fehlen die Worte, da bliebe man lieber stumm.

So lange schon wird in sozialen Medien Hass gesät,
Menschlichkeit zusehends aus dem Blick gerät;
man meint, man müsste deutsche Werte verteidigen
und darf die anderen und Fremden einfach beleidigen.

Bis in die Politik schafft es solches Gedankengut -
ich hoffe, der Wähler es bald quittieren tut,
und verweist die Populisten in die Schranken,
die echten Demokraten werden es ihnen danken.

Nicht nur Kinder schlüpfen im Fasching in andere Rollen,
auch Erwachsene sich gerne mal verkleiden wollen.

Das schönste Kostüm - und das ist wahr,
trägt jedes Jahr - das Prinzenpaar:
(Ich begrüße ) Canu die Erste und Richard der Dritte,
sie führen die Tradition bei den Lorbsern fort, so ist es Sitte.

Auch das Kinderprinzenpaar - noch jung und eher still // ist hier, eher still:
früh übt sich, was mal ein Meister werden will.
Prinz Cornelius und Prinzessin Antonia sind die Kirchen / ist dieser Ort /gut vertraut:
sie sind als Ministranten hier mit wichtigen Aufgaben betraut!

Verkleiden tun wir uns in jeder Messe hier,
und hoffen, auch so gefallen wir euch und Dir..
auch Mädchen nun schon lange Ministrantenkleidung tragen -
und wieder wurde die Bitte an den Papst herangetragen,

weil wir doch dringend mehr Priester bedürfen:
wann endlich auch Frauen der Messe vorstehen dürfen?!
dass sie tragen ein Priesterinnengewand
und werden zum Taufen und Salben ausgesandt!

Die Arbeit in den Gemeinden machen sie schon lange,
warum ist es dann einigen Eminenzen immer noch bange,
sie auch mit einem Amt zu betrauen?
Herrscht da vielleicht mehr Angst als Vertrauen,
dass sie am Ende auch die Macht an sich reißen
und die Kirche in eine andere, neue Richtung weisen?!

Die Hoffnung auf Öffnung wurde auf der Amazonassynode geweckt,
dann hat auch bei uns mancher den Wunsch gehegt,
dass Frauen Zugang bekommen zum Diakonat
und verheiratete Männer befreit sind vom Zölibat,
um als Priester die Sakramente zu spenden
und als Verheiratete sich den Menschen zuzuwenden.

Allein - das Ergebnis ist bekannt.
Und das neuerliche NEIN - steht da wie eine Wand.
Wann wird die Kirche ihr barockes Kleid abstreifen
und endlich die Zeichen der Zeit begreifen?

Die Amtskirche hat so viel Dreck am Stecken,
dass ich mich als Kirchenmann manchmal würd' am liebsten verstecken.
Erst waren's die Finanzen, dann kam der Missbrauch,
dann hört man im Vatikan von Intrigen und Seilschaften auch.

Wo bleibt da das Wort Gottes, das Evangelium?,
Ist die Kirche nicht das Medium,
um Gottes Liebe unter den Menschen zu verbreiten
und Seiner Gerechtigkeit den Weg zu bereiten?!

Wobei - das Evangelium, das wir hörten, heute,
nicht unbedingt jeden freute - ? oder ihr Leute?,
da mutet Jesus den Jüngern - also auch uns! - einiges zu,
das lässt uns bis heute keine Ruh!

Es hieß „Auge für Auge und Zahn für Zahn“ -
doch Christus bricht einer neuen Sicht Bahn.
Er predigt eine andere Wahrheit,
auch wenn manche sagen: der is nit gescheit!

Hat's einen Sinn, auch die andere Backe hinzuhalten,
wenn der andere zuschlägt, ohne einzuhalten?
Lass dir nichts gefallen, hau zurück!
Nur wer stark ist, der hat Glück!

So bekommen's schon die Kinder eingetrichtert,
so wird’s einem von überall her versichert.
Verschaff dir starke Ellenbogen,
und nimm's in Kauf, dass manchmal wird gelogen.

Ja, wir verstehen uns gut drauf, so scheint es mir,
mitzuspielen bei : wie du mir - so ich dir!

Wir erleben es in der großen Politik,
wie da gepokert wird mit viel Geschick,
allen voran der amerikanische Präsident,
der ja nur Amerika - Amerika - Amerika kennt.

Aufgerüstet wird wieder allerorten
mit Waffen, Panzern und rabiaten Worten,
derweil gibt es Flüchtlinge, so viel wie noch nie! -
und die „Vereinten Nationen“ bleiben Wunsch und schöne Theorie!
Jeder folgt seinen Interessen nur.
Von Nächstenliebe keine Spur.
Da sag ich auch von Europa nix
und komm zu unserem Hädefeld fix.

Die Bürgermeister-Kandidaten ein anderes Beispiel geben,
sie handeln nach dem Motto: „wir lassen uns leben!“
Die Parteien da härter zur Sache geh'n
am 15. März werden wir das Ergebnis dann seh'n.
Bis dahin soll man es nicht übertreiben
und auf dem Boden von Toleranz und Fairness bleiben.
Aber wenn dann einer anonym mit einem Flugblatt hetzt,
ist jeglicher Anstand und Moral verletzt!

Noch ein Thema, es reizt mich immer,
denn das Klima wird von Tag zu Tag schlimmer.

Doch auch von Greta rede ich heute nicht!
Sie gab der jungen Umweltbewegung Name und Gesicht.
In jeder Faschingssitzung, glaub ich, kam sie vor,
und wurde gezeigt - mal wie ein Held, mal wie ein Tor.

Sonst müsste ich ja von der Nächstenliebe reden
zu denen, die in 40 - 50 - 60 Jahren leben,
zu den Kindern und Enkeln und was wir ihnen hinterlassen -
man kann es kaum in Worte fassen:

Schon heute sind die Meere verdreckt,
hochgiftiger Atommüll wird in der Erde versteckt,
die Gletscher geschmolzen, die Bäume verdorrt,
Insekten, Schmetterlinge, Vögel - fast alle fort!
Hauptsache wir haben unseren Spaß gehabt
und uns am Fliegen, am Rasen, bei Kreuzfahrten gelabt.
Nächstenliebe sieht anders aus
und beginnt mit dem Verhalten im eigenen Haus!

Da bietet sich die Fastenzeit an,
dass wir üben, wie's auch gehen kann
gut zu leben, mehr zu verkosten -
aber nicht auf unserer Kinder Kosten!

Doch will ich ja von Greta heute reden nicht
und auch nicht von meinem special friend mit dem Unschuldsgesicht:
dem Manfred, dem Scheuer, dem Autobahnbauer,
der den Steuerzahlern kommt ziemlich teuer,
wegen der Maut, die nicht kommt -
was auch mich nicht gerade frommt.

Denn da find' ich, hätte das Prinzip „Auge um Auge“ mal gepasst!
Wir bekommen schließlich auch in jedem anderen Land Gebühren verpasst.
Und ausgerechnet der Nachbar, die Österreicher, haben protestiert,
woraufhin die Maut wurde wieder einkassiert.

Dabei lauert einem dort die Gendamerie an jeder Ecke auf,
ob Du zufällig hast zu viel Tempo drauf,
oder bist aus Versehen auf die Autobahn geraten (!)
oder hast dein Auto überladen:
Und schon sind sie da und zeigen Dir die Kelle -
und du kannst zahlen - auf der Stelle!

Da fällt die Nächstenliebe ganz schön schwer.
Da ist es dann mit der Feindesliebe nicht weit her.
Bleibt uns verschlossen dann das Himmelreich?
Naja, zur Zeit Jesu gab es ja auch noch kein Österreich!

Trotzdem bleibt die Vollkommenheit als Ziel bestehen,
wir müssten dafür halt öfter in uns gehen,
um zu eruieren, was uns bewegt,
welche Wünsche unser Herz so wirklich hegt.

Schließlich - seien wir nicht so selbstvergessen,
die Liebe zum andern ist auch daran zu messen,
wie ich mich selbst lieben und leiden tu',
ob ich mir selbst gönn ab und zu Ruh.

Denn - nur wer in sich kräftig steht,
wird vom Gegenwind nicht so schnell umgeweht,
kann den Nächsten lieben so wie Jesus
und wird sich nicht einbilden: er sei Krösus.

An der Liebe wird man zuletzt erkennen,
ob wir uns zu recht Jesu Jünger (und Jüngerinnen) nennen.
So gehen wir weiter in Gottes Namen,
und singen fröhlich Halleluja – Amen!

Bilder: privat

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